Die Zukunft der Baustelle entsteht an den Schnittstellen

Ein Interview mit Christoph Afheldt, Mitglied der Geschäftsleitung der Zeppelin Rental GmbH

Christoph Afheldt ist Mitglied der Geschäftsleitung der Zeppelin Rental GmbH, einem führenden Anbieter von Maschinen- und Gerätevermietung, temporärer Infrastruktur und Baulogistik in Deutschland. Als Teil der Zeppelin Gruppe gestaltet das Unternehmen maßgeblich mit, wie moderne Baustellen organisiert, ausgestattet und zunehmend digital gesteuert werden. Mit seiner Perspektive an der Schnittstelle von Baupraxis, Maschinen und Prozessen bringt Afheldt einen besonders praxisnahen Blick auf die Transformation der Bau- und Infrastrukturbranche ein.

neext: Bevor wir in die fachlichen Themen einsteigen: Wie war Ihr Weg zu Zeppelin Rental? Welche Stationen waren für Sie prägend und was begeistert Sie heute an Ihrer Rolle und an der Branche?

Christoph Afheldt: Ich habe fast mein gesamtes Berufsleben bei Zeppelin Rental verbracht. Nach einem BWL-Studium und einer Station im Bereich M&A habe ich 2008 bei Zeppelin angefangen. Was mich hier sofort fasziniert hat, war der Menschenschlag: bodenständig, direkt, zupackend. Und mit einem Arbeitgeber im baunahen Umfeld konnte ich auch meinen Vater, selbst Bauingenieur, endlich zufriedenstellen (lacht). Zu Beginn meiner Zeit bei Zeppelin Rental war das Unternehmen vor allem ein Vermieter von Baumaschinen unseres Herstellerpartners Caterpillar. Als damaliger Leiter der Unternehmensentwicklung lag mein Fokus auf Strategie und M&A. In dieser Position wurde mir schnell klar: Wir müssen uns verändern. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Und das haben wir getan. Aus dem Baumaschinenvermieter ist ein Partner geworden, der Baustellen ganzheitlich mit Equipment, Infrastruktur, Logistik und Services unterstützt. Denn der Kernprozess Bauen funktioniert aus meiner Sicht nur, wenn er in ein Gesamtökosystem eingebettet ist, das die Voraussetzungen für sicheres, effizientes und nachhaltiges Bauen schafft. Daran arbeiten wir – bei Zeppelin Rental und, hoffentlich, irgendwann in der ganzen Branche.

neext: Wenn wir auf Deutschland und Europa schauen, steht das Baugewerbe unter großem Druck: Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Fachkräftemangel, Kosten. Welche Veränderungen prägen die Branche aktuell am stärksten und was bedeutet das konkret für den Baualltag?

Christoph Afheldt: Wenn ich von Branche spreche, meine ich vor allem das Baugewerbe und die Baustelle. Genau dort steigen die Komplexität, der Kostendruck, die Forderung nach Nachhaltigkeit, der Fachkräftemangel – und das alles gleichzeitig. Der Fachkräftemangel hat uns zwar schon vor 18 Jahren beschäftigt, seit der Corona-Pandemie ist er aber noch spür- und sichtbarer. Dazu kommt: Der Bau war im Vergleich zu anderen Branchen nie Weltmeister in Produktivitätssprüngen. Dieses Hinterherhinken verschärft heute viele Probleme.

Die Digitalisierung sehe ich nicht als Problem, sondern eher als Teil der Antwort an. Hier schließe ich auch KI mit ein. Nur stehen wir auf der Baustelle oft noch daneben und staunen, was anderswo schon funktioniert. An Ideen fehlt es hier nicht. Es gibt Start-ups, Initiativen und gute Ansätze. Aber vieles scheitert an der Realität Baustelle mit sehr vielen Beteiligten, zu wenig Abstimmung, schwacher Planung und unkoordinierter Ausführung.

Technologie allein löst das Problem allerdings nicht. Erst, wenn Zusammenarbeit, Planung und Koordination besser funktionieren, können Digitalisierung und KI wirklich Wirkung entfalten. Genau dort müssen wir ansetzen.

neext: Wenn so viele Beteiligte auf einer Baustelle zusammenkommen, wird Kommunikation zu einem wesentlichen Faktor. Ist Kommunikation für Sie ein zentraler Treiber der Veränderung?

Christoph Afheldt: Ja, absolut. Lean Management zum Beispiel hat aus meiner Sicht sehr viel mit Kommunikation zu tun. Es heißt für mich im Kern: Lasst uns sichtbar machen, wer hier eigentlich was macht. Das kann man digital unterstützen, aber grundlegend geht es um ein besseres Miteinander. Und dazu gehört Kommunikation. Kommunikation ist wahrscheinlich das personifizierte Miteinander – wenn man das so sagen kann.

neext: Hängt die mangelnde Kommunikation auch mit politischen oder regulatorischen Anforderungen zusammen? Oder liegt das Problem eher im Bauablauf selbst?

Christoph Afheldt: Man kann dem Staat vieles in die Schuhe schieben. Aber dass wir auf Baustellen nicht effizient kommunizieren, liegt nicht in der Verantwortung der Politik. Natürlich erzeugen Regulierung und Umweltauflagen zusätzliche Anforderungen, über die wieder kommuniziert werden muss. Aber die Ineffizienzen im Bauablauf selbst liegen aus meiner Sicht vor allem bei den privatwirtschaftlichen Akteuren, die ihre Kommunikation und ihre Abläufe in den Griff bekommen müssen.

neext: Würden Sie Kommunikation als größtes Hemmnis bezeichnen oder liegen die Probleme noch tiefer?

Christoph Afheldt: Aus meiner Sicht liegt die eigentliche Herausforderung in den Schnittstellen. Auf einer Baustelle gibt es davon unzählige: zwischen Planung und Ausführung, zwischen Gewerken, Haupt- und Subunternehmern, bei Material, Geräten, Kranzeiten oder Lagerflächen. Jeder weiß ungefähr, was er selbst tut. Aber oft weiß niemand so richtig, wo der andere gerade steht. Eine Baustelle ist eben keine sauber getaktete Fabrik. Hier arbeiten viele Beteiligte in wechselnden Teams und es werden unterschiedliche Sprachen gesprochen. Technologie kann helfen. Aber in erster Linie müssen die Abläufe zusammengebracht werden. Wir sehen das jeden Tag: Material liegt falsch, Anlieferungen passen nicht, der Kran ist belegt, Geräte fehlen. Es wird transportiert, umgelagert, gewartet. Vor allem fehlt Transparenz: Was passiert hier gerade wirklich?

Das größte Potenzial liegt deshalb nicht nur im einzelnen Prozess, sondern dazwischen. An den Schnittstellen entstehen die Reibungsverluste und genau dort müssen wir besser werden.

neext: Sie haben den Begriff „Ökosystem Baustelle“ verwendet. Wohin muss sich dieses Ökosystem künftig entwickeln?

Christoph Afheldt: Die Aufgabe, Menschen, Prozesse, Daten und Interessen zusammenzubringen und die Zusammenarbeit aller Beteiligten zu stärken, scheint riesig. Doch die Digitalisierung wird sich am Bau durchsetzen und einen wichtigen Beitrag leisten. Denn es gibt schlicht zu viel zu gewinnen.

Eine entscheidende Rolle spielen hier aber die Bauherren. Denn viele Ineffizienzen am Bau zahlt am Ende nicht das Baugewerbe, sondern der Auftraggeber. Sie sind bekannt, werden eingepreist – und landen auf der Rechnung. Bauherren können Effizienz, Nachhaltigkeit und digitale Abläufe einfordern und entsprechende Vorgaben machen.

Verändern werden sich Baustellen dort, wo Daten, Planung und operative Steuerung zusammenkommen – am besten in Echtzeit. BIM und digitale Zwillinge spielen dabei eine wichtige Rolle. Auch wenn der BIM-Hype inzwischen etwas abgeklungen ist – wir können es uns nicht leisten, digitale Tools und Arbeitsweisen wieder hinter uns zu lassen. Ein wirklich integriertes Modell für ein komplexes Gesamtprojekt habe ich persönlich aber noch nicht gesehen. Einzelne Gewerke sind weiter, der große gemeinsame Rahmen fehlt oft noch.

neext: Kann Zeppelin Rental in diesem Prozess selbst Druck ausüben? Sie sind ja nah an den Bauherren und an den Bauausführenden dran.

Christoph Afheldt: Unser Anspruch ist: Wir wollen näher an das Kernproblem des Bauens heran – und zu seiner Lösung beitragen. In einer modellbasierten Arbeitsweise würden wir uns gerne sehr früh einklinken. Der Kunde beschreibt, was gebaut werden soll und wie. Wir entwickeln ein dazu passendes Geräte-, Infrastruktur- und Logistikkonzept, um den Bauablauf zu optimieren. So schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass auf der Baustelle sicher, effizient und nachhaltig gearbeitet werden kann.

neext: Das setzt voraus, dass Zeppelin Rental viel früher als üblich ins Gespräch kommt. Ist das ein Teil des Ökosystems von morgen?

Christoph Afheldt: Ja. Der Bauherr ist für uns sozusagen die Zündschnur. Nur, wenn er entsprechende Vorgaben macht, entsteht Bewegung. Aber selbst dann müssen gewisse Voraussetzungen geschaffen sein – technisch, organisatorisch und datenbezogen.

Wir beteiligen uns deshalb an Forschungsprojekten, weil wir nicht nur Lösungen verkaufen wollen, ohne das Problem verstanden zu haben. Aus diesem Grund beschäftigen wir heute auch Bauingenieure. Denn wir müssen das Bauen genau kennen, wenn wir das Umfeld des Bauens sinnvoll organisieren wollen.

neext: Welche Forschungs- oder Entwicklungsprojekte sind für Sie besonders relevant?

Christoph Afheldt: Ein wichtiges Projekt ist Construct-X mit dem Ziel, baustellenbezogene Daten besser austauschbar zu machen. Maschinendaten, Logistik, Bewegungen, Zutritt – vieles liegt heute in getrennten Systemen. Dazu kommen Datenschutz, Wettbewerb und Regulierung. Construct-X entwickelt föderierte Datenräume, eine entsprechende Referenzarchitektur sowie Cloud-Edge-Anwendungen für den Baubereich.

Ein zweites Beispiel ist das Forschungsprojekt EConoM. Dort ging es um nomadische 5G-Netze auf Baustellen. Denn wenn Bauabläufe digital gesteuert werden sollen, müssen Maschinen in Echtzeit melden können, was sie tun – und mit anderen Systemen kommunizieren. Das klingt technisch, ist aber sehr praktisch. Auf Baustellen erweist sich die Netzabdeckung oft als schwierig. Geräte müssen aber auch im Keller funktionieren. Es braucht hier stabile Netze, gute Antennentechnik und klare Anwendungen. 

neext: Das Bauen verändert sich auch durch Modularisierung, serielles Bauen und Offsite Construction. Reduziert das den Business Case von Zeppelin Rental oder verändert es ihn nur?

Christoph Afheldt: Ich hoffe sehr, dass uns in Deutschland mehr Standardisierung und Modularisierung gelingen. Das hätte enorme Kostenvorteile. Das Architektenhaus hat seinen Platz, aber wenn jede Baustelle ein Prototyp ist, wird es teuer.

Ich glaube auch nicht, dass jede Baustelle zwangsläufig anders sein muss. Oft ist sie es, weil wir die Erkenntnisse vergangener Projekte vergessen oder sie bei einzelnen erfahrenen Bauleitern hängen. Genau da kann Digitalisierung helfen. Wenn wir Prozesse digital erfassen, können wir von Baustelle zu Baustelle lernen. Zusätzlich erkennt KI Muster in großen Datenmengen. Hier steckt viel Potenzial, wenn die Daten erst einmal verfügbar und nutzbar sind.

Modulares Bauen kann ebenfalls enorme Vorteile haben. Goldbeck ist ein gutes Beispiel: vorgefertigte Teile, klare Systeme, Montage auf der Baustelle. Die komplexe Arbeit wandert aus dem chaotischen Umfeld Baustelle in eine kontrollierte Produktion.

Für Zeppelin Rental stellt das keine Bedrohung dar, im Gegenteil. In einer ideal geplanten, modulareren Welt laufen wir nicht mehr hinterher, sondern kommen – so würde man es im Fußball sagen – vor den Ball. Dann sorgen wir nicht mehr dafür, dass Scherben aufgekehrt werden, sondern dafür, dass gar keine entstehen. Wenn Bauteile just in time kommen, müssen Kran, Lagerflächen, Anlieferung, Geräte und Logistik passen. Genau dann werden Baulogistik und Baustelleneinrichtung noch wichtiger.

Auch bei Maschinen geht es stärker um das richtige Gerät zur richtigen Zeit. Nicht um das, was gerade herumsteht. Ich kann mir gut vorstellen, dass Bauunternehmen künftig weniger eigene Maschinen halten und Spezialgerät genau dann mieten, wenn sie es benötigen.

neext: Transformation braucht Menschen, Fachkräfte und Nachwuchs. Wie gewinnt Zeppelin Rental Talente und wie machen Sie das Baugewerbe attraktiver?

Christoph Afheldt: Das Baugewerbe hat beim Image sicher keinen Vorsprung. Wir sind selbst kein Bauunternehmen, haben aber viele unterschiedliche Berufsbilder: gewerbliche Mitarbeitende, Monteure für die Verkehrsabsicherung, Elektriker, Bauingenieure, Baulogistik-Projektleiter und viele mehr. Beim akademischen Nachwuchs sind Werkstudierende für uns ein wichtiger Weg, weil sie uns so früh kennenlernen. Viele spätere Nachwuchsprojektleiter kommen auf diese Weise zu uns.

Dazu arbeiten wir eng mit Hochschulen zusammen, beteiligen uns an Forschungsprojekten und betreuen Master- und Doktorarbeiten. Wichtig wird künftig genau diese Verbindung: Baustellenerfahrung, Logistik, Lean und BIM müssen zusammen gedacht werden.

Im gewerblichen Bereich bilden wir viel selbst aus, zum Beispiel Elektriker. Und dann gibt es noch den stärksten Kanal: unsere eigenen Mitarbeitenden. Wer gerne bei uns arbeitet, ist der beste Botschafter. Meist wirkt das stärker als jede Social-Media-Kampagne.

neext: Im Gespräch wird ein starker Purpose spürbar: das Bauen von morgen mitzugestalten. Trägt diese Geschichte auch intern?

Christoph Afheldt: Ich würde mir wünschen, dass unser Purpose noch stärker trägt. Bei unserem internen Welcome Day erzähle ich sehr gerne, wer wir sind und wohin wir wollen. Man merkt aber auch: Einige erreicht das sehr, andere weniger. Purpose funktioniert einfach nicht für alle gleich. Er muss für unterschiedliche Menschen unterschiedlich übersetzt werden.

Wir sind inzwischen rund 2.500 Mitarbeitende über mehrere Länder hinweg. Viele wollen vor allem ein gutes Umfeld, nette Kollegen und einen fairen Arbeitgeber. Das ist völlig legitim. Manche sagen auch: Bei Zeppelin Rental kommt das Gehalt pünktlich. Das ist im Baugewerbe nicht immer selbstverständlich. Also gehört auch das zur Arbeitgeberattraktivität.

Wichtig ist mir trotzdem: Wir sind Teil einer Stiftungstradition. Was wir verdienen, kommt am Ende auch gemeinnützigen und mildtätigen Zwecken zugute. 

neext: Wenn Sie mit Blick auf die Transformation des Bauens einen Wunsch frei hätten: Was müsste sich verändern?

Christoph Afheldt: Ich würde mir mehr Freude an der Zusammenarbeit wünschen. Und mehr Verbindlichkeit. Am Ende braucht der Bauprozess gemeinsame Ziele, klare Verantwortlichkeiten, Datenstandards und die Konsequenz, das auch umzusetzen. Womit wir wieder bei der Kommunikation wären, die eng damit zusammenhängt.

Wichtig ist aber auch: Baustelleneinrichtung, Baulogistik und Infrastruktur sind keine Randthemen. Sie sind Enabler. Ohne sie funktioniert Zusammenarbeit auf der Baustelle nicht richtig. Deshalb gehören sie an den Anfang eines jeden Projekts.

Mein Wunsch ist deshalb auch ein integriertes Denken von Beginn an: von Planung, BIM und Lean bis zur operativen Baustelleneinrichtung und Logistik.